Familienleben 2.0
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ADAC: Segen oder Fluch - der Kindersitztest

Der ADAC Kindersitztest ist eine der ersten Anlaufstelle
für Eltern die DEN sichersten Sitz für ihr Kind suchen.

 
Doch finden sie diesen wirklich?

Der ADAC Test ist eine super Sache, allerdings hat er auch seine Tücken.
Man muss sich die Durchführung der Tests und die Auswertung der Ergebnisse genauer ansehen.

Die Kindersitzprofis haben da einen lesenswerten Bericht auf ihrer Seite:
"ADAC Kindersitze Herbst Test 2015"


Die Durchführung der Tests geschied auf Testschlitten. Das sind auf Schienen befestigte Autocarosserien, die einen Unfall simulieren.
Beim Frontalunfalltest fährt dieser Schlitten ruckartig nach hinten.
Bei einem Seitenaufprallstest, knallt ein weiterer Schlitten, in die stehende Carosserie mit den eingebauten Kindersitzen.

Um nun Testergebnisse zu erhalten, werden moderne Dummys eingesetzt, mit denen u.a. die Nacken- und Kopfbelastung gemessen werden kann.

Hört sich ganz toll an, doch leider birgt es bezogen auf die Realität seine Tücken.
Beim Seitenaufprallstest steht das Fahrzeug und der Dummy sitzt gerade und ordentlich im Sitz und der Seitenaufprallschutz des Kindersitzes kann ihn bestens Schützen. In den meisten Fällen ist es jedoch so, dass man vor einem Unfall bremst. Somit fliegen vor dem eigtl Unfall alle Köpfe der in Fahrtrichtung sitzenden Passagiere nach vorne und befinden sich außerhalb der Schutzzone des Kindersitzes.
Bei allen, die gegen die Fahrtrichtung reisen, passiert das Gegenteil: der Kopf wird in den Sitz gedrückt und kann somit vom Kindersitz bestmöglich geschützt werden.

Nächster Knackpunkt ist der Dummy. Er kann zwar schon viele Messwerte liefern, allerdings keine über die Bauchbelastung.
Dies wäre aber für den Test der Fangkörpersitze dringend erforderlich. Hier wird zwar mit besseren Nackenbelastungsweten geworben, jedoch kennt keiner die Bauchbelastungswete.
Sind diese zu hoch kommt es zu inneren Verletzungen.


Aber gut, soviel zu der Durchführung der Tests.

Was ich auch höhst interessant finde ist die Auswertung der Messdaten.


Dazu wird von jedem Sitz das schlechteste Ergebnis genommen (siehe 1.1.3) und je nach dem, welche Wert er erreicht hat, bekommt er eine negative, neutrale oder positive Bewertung.

Das Problem ist nur, dass die Werte viel zu niedrig gesteckt sind!
So bekommt ein Sitz dessen Nackenbelastungswerte zu einem Genickbruch führen würden dennoch zwei ++ Punkte.
Ein Sitz dessen Werte ein vielfaches unter dieser Grenze liegen bekommt jedoch ebenfalls nur zwei ++Punkte, obwohl die Messergebnisse 5x besser sind und er eigtl 10 ++++++++++ Punkte verdient hätte!
Wie soll den jetzt der Leihe herrausfinden welcher Sitz der sicherste ist? Diese Bewertung macht das unmöglich und täuscht Sicherheit vor, wo keine ist!

Auch heißt das, dass bei einem Reboarder, der vorwärts und rückwärts eingebaut werden kann die vorwärtsgerichteten Werte im Ergebnisse aufgeführt sind, die
besseren - rückwärtsgerichteten - werden nicht aufgeführt!

Kann ein Reboarder ausschließlich rückwärts eingebaut werden, schneidet dieser in der Bewertung des ADACs auch nicht besser ab als ein Vorwärtssitz, da die Bewertung bei ++ endet!


Dazu kommen nun noch die Handhabung und Bedienung, welche mit ca. 40% in die Gesamtnote einfließt. 
Das ist ist besonders wichtig, wenn man bedenkt, das 60% der Kinder falsch gesichert werden! Ein einfacher Einbau verhindert somit Einbaufehler und ist die Bedingung dafür, dass der Sitz seinen vollen Schutz bei einem Unfall entfalten kann.
Für Familien, die den Kindersitz immer im Auto lassen und ihn nicht ständig ein und aus bauen müsse, ist dieser Punkt nicht so wichtig wie für Eltern, die den Sitz öfter umbauen oder auch anderen Personen, wie Großeltern und Freunden, mitschicken müssen.



Wie also soll eine Familie mit diesen Testergebnissen, den sichersten Kindersitz finden, wenn die ausschlaggebenden Messwerte in der Bewertung untergehen und keine Beachtung finden?
Wer darauf nicht von andere Seite aufmerksam gemacht wird, wird diese Problematik nie erfahren! Er wird alls der Auffassung sein, den sichersten Sitz gekauft zu haben. Schließlich beziehen sich auch die Verkäufer in Baby-, Auto-, und Möbelläden auf die ADAC Bewertungen und kennen sich meistens nicht weiter mit den speziellen Sitzen aus. Somit kommt es auch nicht selten zu Falschaussagen, seitens der Verkäufer.

Wer den sichersten und zu Kind, Auto und Nutzungsbedingungen (häufiger Umbau) passenden Kindersitz finden möchte, sollte sich bei einem Fachhandel (kein Babyfachhandel) beraten lassen.